FT-CI

Interview: Transphober Ìbergriff in Chile

02/12/2013

Interview: Transphober Ìbergriff in Chile

Eine Transgender-Frau im chilenischen Antofagasta wurde brutal zusammengeschlagen. Ein Gespräch mit Alicia Sepúlveda, Arbeiterin und Aktivistin der feministischen Gruppe “Pan y Rosas” (Brot und Rosen) in Chile.

Eine Transgender-Frau im chilenischen Antofagasta wurde brutal zusammengeschlagen. Ein Gespräch mit Alicia Sepúlveda, Arbeiterin und Aktivistin der feministischen Gruppe “Pan y Rosas” (Brot und Rosen) in Chile.

Am 15. November wurde in der nordchilenischen Stadt Antofagasta eine Transgender-Frau brutal zusammengeschlagen. Das löste landesweit Proteste aus. Was ist passiert?

Um sieben Uhr abends kam die 22jährige Kathalina Friedman von ihrer Arbeit in einem Supermarkt nach Hause. Eine Person wartete vor der Tür auf sie, nach einigen suspekten Fragen tauchten acht oder neun weitere auf und prügelten auf sie ein.

Kathalina verlor schnell das Bewusstsein und erlitt offenbar einen epileptischen Anfall. Die Angreifer hatten sie vor allem ins Gesicht geschlagen. Die Nachbarn fanden sie und brachten sie ins Krankenhaus. Nun hat sie eine gebrochene Nase und mehrere Wunden im Gesicht.

Im Krankenhaus musste sie stundenlang warten – die Gesundheitsversorgung in Chile ist sehr prekär, da sie während der Diktatur genauso wie das Bildungssystem privatisiert wurde.

Wie hat die Polizei reagiert?

Die Carabineros (militarisierte Polizei) waren kurz da und sagten Kathalina, sie solle sich beruhigen. Dann verzogen sie sich wieder. Erst nachdem sich Menschenrechtsgruppen einschalteten, wurden Ermittlungen aufgenommen.

Wie sah die Antwort derjenigen aus, die die Interessen der sexuellen Minderheiten vertreten?

Es gab sofort eine große Solidaritätskampagne, Kathalina ist nämlich eine anerkannte Sprecherin der LGBTI-Community in Antofagasta. Aus Chile und der ganzen Welt kamen Unterstützungserklärungen. In chilenischen Städten wie Arica, Antofagasta und Santiago und anderswo gab es auch Kundgebungen gegen diesen Ìberfall. Solche Angriffe gibt es leider täglich in Chile.

Chile gilt als eins der konservativsten länder Lateinamerikas. Wie leben LGBTI-Menschen dort?

Die große Mehrheit gehört nicht zu den oberen sozialen Schichten und ist deshalb zu einer prekären Lebenslage verurteilt: Man wird in der Schule diskriminiert oder gleich rausgeworfen. Wenn du keinen Zugang zum elitären Hochschulwesen hast, müsst du eine prekarisierte Arbeit annehmen, z.B. in einem Call Center oder einem Fast-Food-Laden. Wenn du Transgender bist, kann es sein, dass dir nichts anderes übrig bleibt, als dich zu prostituieren.

Wenn du die Identität nicht annehmen willst, die du nur aufgrund deines Körpers vom System aufgedrückt bekommen hast, wirst du zum Paria. Und der Zugang zur Krankenversorgung ist eingeschränkt, denn es herrscht immer noch die Vorstellung, dass Homosexuelle oder Transgender-Menschen krank seien.

Im Nachbarland Argentinien wurde im Mai 2012 ein Gesetz zur Geschlechteridentität verabschiedet, das die freie Wahl des Geschlechts ermöglicht. Existiert etwas Ähnliches auf der anderen Seite der Anden?

Nein. Es ist alarmierend, dass sich selbst nach Demonstrationen nichts geändert hat, bei denen 100.000 Menschen für die Rechte von LGBTI-Menschen auf die Straße gegangen sind.

Nachdem der junge Homosexulle Daniel Zamudio ermordet worden war, gab es zwar ein Antidiskriminierungsgesetz. Das setzt aber LGBTI-Menschen mit evangelikalen Sekten gleich, auch christliche Fundamentalisten werden nämlich als Opfer von “Diskriminierung” gesehen.

Am 17. November hat Michele Bachelet die erste Runde der Präsidentschaftswahlen gewonnen. Sie wird wahrscheinlich die nächste Präsidentin Chiles. Wird sie die Situation verbessern?

Die Kandidatin des Bündnisses „Nueva Mayoría“ hat im Wahlkampf versprochen, gleichgeschlechtliche Ehen zu ermöglichen. Während ihrer letzten Präsidentschaft ist sie allerdings noch dafür eingetreten, dass eine Ehe nur zwischen Mann und Frau möglich sein darf – genauso wie sie das gesamte politische und wirtschaftliche Erbe der Pinochet-Diktatur verwaltete. Unsere Rechte bekommen wir nur durch große Kämpfe auf der Straße.

Bachelets Programm sieht auch kein Gesetz der Geschlechter-Identität und damit keine Verbesserungen für Tausende Transgender-Menschen in diesem Land vor. Denen können nämlich grundlegende Rechte verwehrt werden, etwa am Arbeitsplatz. Bachelet ist in einem Bündnis mit konservativen Gruppen wie der Christdemokratischen Partei.

Und was die Rechte der Frauen angeht, wird sich wohl auch wenig ändern, prekäre Arbeitsverhältnisse werden die Norm bleiben. Für das Recht auf Abtreibung gab es eine große Demonstration am 25. Juli, aber Bachelet spricht lediglich von einem Recht auf therapeutische Abtreibungen, während wir ein Recht auf legales, kostenfreies, sichere Abtreibung fordern.

Uns steht noch ein langer Kampf bevor, denn in Chile ist ein Land, in dem die Abtreibung ebenso bestraft wird wie eine abweichende sexuelle Orientierung. Aber es ist auch ein Land mit Hunderttausenden, die auf den Straßen zeigen, dass die Stabilität, die die Diktatur hinterlassen hat, ins Wackeln kommt.

Empfohlene Artikel

No hay comentarios a esta nota

Publikationen

  • EDITORIAL

    PTS (Argentina)

  • Actualidad Nacional

    MTS (México)

  • EDITORIAL

    LTS (Venezuela)

  • DOSSIER : Leur démocratie et la nôtre

    CCR NPA (Francia)

  • ContraCorriente Nro42 Suplemento Especial

    Clase contra Clase (Estado Español)

  • Movimento Operário

    MRT (Brasil)

  • LOR-CI (Bolivia) Bolivia Liga Obrera Revolucionaria - Cuarta Internacional Palabra Obrera Abril-Mayo Año 2014 

Ante la entrega de nuestros sindicatos al gobierno

1° de Mayo

Reagrupar y defender la independencia política de los trabajadores Abril-Mayo de 2014 Por derecha y por izquierda

La proimperialista Ley Minera del MAS en la picota

    LOR-CI (Bolivia)

  • PTR (Chile) chile Partido de Trabajadores Revolucionarios Clase contra Clase 

En las recientes elecciones presidenciales, Bachelet alcanzó el 47% de los votos, y Matthei el 25%: deberán pasar a segunda vuelta. La participación electoral fue de solo el 50%. La votación de Bachelet, representa apenas el 22% del total de votantes. 

¿Pero se podrá avanzar en las reformas (cosméticas) anunciadas en su programa? Y en caso de poder hacerlo, ¿serán tales como se esperan en “la calle”? Editorial El Gobierno, el Parlamento y la calle

    PTR (Chile)

  • RIO (Alemania) RIO (Alemania) Revolutionäre Internationalistische Organisation Klasse gegen Klasse 

Nieder mit der EU des Kapitals!

Die Europäische Union präsentiert sich als Vereinigung Europas. Doch diese imperialistische Allianz hilft dem deutschen Kapital, andere Teile Europas und der Welt zu unterwerfen. MarxistInnen kämpfen für die Vereinigten Sozialistischen Staaten von Europa! 

Widerstand im Spanischen Staat 

Am 15. Mai 2011 begannen Jugendliche im Spanischen Staat, öffentliche Plätze zu besetzen. Drei Jahre später, am 22. März 2014, demonstrierten Hunderttausende in Madrid. Was hat sich in diesen drei Jahren verändert? Editorial Nieder mit der EU des Kapitals!

    RIO (Alemania)

  • Liga de la Revolución Socialista (LRS - Costa Rica) Costa Rica LRS En Clave Revolucionaria Noviembre Año 2013 N° 25 

Los cuatro años de gobierno de Laura Chinchilla han estado marcados por la retórica “nacionalista” en relación a Nicaragua: en la primera parte de su mandato prácticamente todo su “plan de gobierno” se centró en la “defensa” de la llamada Isla Calero, para posteriormente, en la etapa final de su administración, centrar su discurso en la “defensa” del conjunto de la provincia de Guanacaste que reclama el gobierno de Daniel Ortega como propia. Solo los abundantes escándalos de corrupción, relacionados con la Autopista San José-Caldera, los casos de ministros que no pagaban impuestos, así como el robo a mansalva durante los trabajos de construcción de la Trocha Fronteriza 1856 le pusieron límite a la retórica del equipo de gobierno, que claramente apostó a rivalizar con el vecino país del norte para encubrir sus negocios al amparo del Estado. martes, 19 de noviembre de 2013 Chovinismo y militarismo en Costa Rica bajo el paraguas del conflicto fronterizo con Nicaragua

    Liga de la Revolución Socialista (LRS - Costa Rica)

  • Grupo de la FT-CI (Uruguay) Uruguay Grupo de la FT-CI Estrategia Revolucionaria 

El año que termina estuvo signado por la mayor conflictividad laboral en más de 15 años. Si bien finalmente la mayoría de los grupos en la negociación salarial parecen llegar a un acuerdo (aún falta cerrar metalúrgicos y otros menos importantes), los mismos son un buen final para el gobierno, ya que, gracias a sus maniobras (y las de la burocracia sindical) pudieron encausar la discusión dentro de los marcos del tope salarial estipulado por el Poder Ejecutivo, utilizando la movilización controlada en los marcos salariales como factor de presión ante las patronales más duras que pujaban por el “0%” de aumento. Entre la lucha de clases, la represión, y las discusiones de los de arriba Construyamos una alternativa revolucionaria para los trabajadores y la juventud

    Grupo de la FT-CI (Uruguay)