FT-CI

Stolze SozialpartnerInnen: Zum Ergebnis der Tarifrunde in der Metall- und Elektro-Industrie

Bürokratie der IG Metall zeigt sich solidarisch… mit den Konzernen

22/05/2012

Von Victor Jalava

// Stolze SozialpartnerInnen: Zum Ergebnis der Tarifrunde in der Metall- und Elektro-Industrie //

„Die Solidarität, das Engagement und der bemerkenswerte Einsatz unserer Mitglieder haben sich gelohnt“, erklärte IG Metall-Oberbonze Berthold Huber nach dem Abschluss der Tarifverhandlungen der Metall- und Elektro-Branche in Baden-Württemberg, der jetzt bundesweit übernommen wird. Ein wirklicher Kampf – also ein Streik – hätte sich noch mehr gelohnt, denn das Ergebnis liegt nicht gerade nah an den noch vor kurzem notwendig genannten Forderungen. Eigentlich ist das jedoch keine besondere Ìberraschung – leider. Innerhalb des Gewerkschaftsapparats war schon vor Beginn der Tarifrunde eine Zielvorgabe so um die 4% kursiert. Die hohen Herrinnen und Herren der IG Metall hatten die Belegschaften in den letzten Wochen wieder einmal Gassi geführt, um Druck abzulassen. Da wurden kämpferische Reden gehalten: „Schaut her KollegInnen, wir machen was!“, war die Aussage an die Metall- und Elektro-Beschäftigten. Ja und es war für alle Glieder des riesigen Apparats sicher anstrengend, die Warnstreik-Wochen zu organisieren. Nur genützt hat es nichts.

Denn auch wenn bei den Warnstreikreden den KollegInnen noch vorgerechnet wurde, warum die 6,5% unbedingt drin sein müssten, war der Kurs schon festgelegt: auf Verhandlungen mit schlechtem Kompromiss. Oder besser gesagt: auf einen Kompromiss, der von den KollegInnen noch mit Murren akzeptiert werden würde. Mit der teilweise harten Ìberzeugungsarbeit quälen sich nun dienstfertige FunktionärInnen an der Basis, während sich die Gewerkschaftsspitze wieder „wichtigen“ Aufgaben zuwenden kann: vielleicht bei irgendeinem Empfang Schulterklopfer abholen. Denn ob vier oder sechskommafünf, ob neun Prozent oder Nullrunde – Leute wie IG Metall-Chef Berthold Huber kassieren ihr hohes Gehalt unabhängig von dem, was sie aushandeln.

Das Ergebnis „harter Verhandlungen“

Schon die Anfangsforderung war bescheiden: 6,5% Erhöhung, „faire Leiharbeit“ und unbefristete Ìbernahme der Auszubildenden. Das hieß: etwas Ausgleich angesichts der Preissteigerung der letzten Jahre (und der Nullrunde der IG Metall vor zwei Jahren), entrechtete KollegInnen im Betrieb nur nach mehr Gesprächen mit dem Betriebsrat und die neue Praxis des Ausgebildeten-Feuerns bitte zurücknehmen.

Erreicht wurden 4,3%, was zudem die MehrverdienerInnen weiter von den übrigen KollegInnen trennt. IngenieurInnen sollen etwa 200 Euro, FacharbeiterInnen etwa 100 Euro mehr bekommen. Je tiefer in der Lohngruppe, desto weniger hilft der Abschluss gegen die steigenden Preise. Die KollegInnen in Leiharbeit werden künftig kaum mehr als zwei Jahre im Betrieb beschäftigt werden, denn das Verhandlungsergebnis sieht danach automatische Ìbernahme in die Stammbelegschaft vor. Aus der Service-Tochter des Berliner Universitäts-Klinikums Charité z.B. kennen wir schon eine solche Ìbernahme-Regelung bei den Befristeten, die sich oft Alles gefallen lassen, weil sie sich die Ìbernahme sonst ganz abschminken können. Sie werden dann meist trotzdem gefeuert und durch neue Zweijährliche ersetzt. Nach diesem Abschluss bietet dies auch einen Blick in die Zukunft im Metall-Elektro-Sektor, wo aber ohnehin mehr als zweijährige Beschäftigung von LeiharbeiterInnen alles andere als Standard ist. Die als großartiger Sieg gefeierte Ìbernahme-Sicherheit für Azubis wurde für die Unternehmen gleich mit Schlupflöchern ausgestattet. Ausgebildeten, die ja alle ihre Prüfungen bestanden haben, kann immer noch die Ìbernahme verweigert werden, wenn die wirtschaftliche Situation genug Rechtfertigung bietet oder die fertigen Azubis als nicht geeignet etikettiert werden. Industrie-Verbandschef Kannegießer kommentierte dreist: „…ohne Leistungsbereitschaft wird das nicht gehen. Wer bei uns in ein Lehrverhältnis kommt, der geht nicht in eine Ruhematte, sondern er muss sich bewähren…“

Wer nicht kämpft, hat schon verloren

Mit solchen Bossen wird dann allerdings trotzdem am Verhandlungstisch ein nur für sie sehr gutes Ergebnis vereinbart, denn für die Gewerkschaftsbürokratie ist ein Arbeitskampf die gefürchtete „ultima ratio“, wie Berthold Huber es in seiner „kämpferischen“ 1. Mai-Rede ausdrückte. Aber gerade ein solcher Streik der stärksten Gewerkschaft in Deutschland hätte es möglich gemacht, der boomenden Metall- und Elektro-Industrie wenigstens die notwendigsten Forderungen aufzuzwingen. Auch wäre es ein Zeichen an Lohnabhängige aller Branchen gewesen, dass Kämpfen notwendig und möglich ist. Auch den geschundenen KollegInnen in Griechenland, dem Spanischen Staat oder Portugal hätte es ein Zeichen geben können: Wir ArbeiterInnen in Deutschland stehen nicht mit unseren profithungrigen Banken und Konzernen im Bunde! Doch die Furcht vor einer Kritik seitens der Konzerne, ihrer PolitikerInnen und der Presse, ist bei unseren FunktionärInnen stets größer als die Furcht vor Entrechtung und Verarmung von ArbeiterInnen in der Metallbranche. Kein Wunder eigentlich, können sich die großen FunktionärInnen immer noch eine Zukunft in Unternehmensführungen, Parteien oder Verbänden erhoffen, wenn ihr ArbeiterInnen-Vertreter-Sessel nicht mehr angenehm warm ist.

In dem sie Leiharbeit grundsätzlich akzeptiert, lässt die Gewerkschaftsbürokratie zu, dass die Belegschaften immer tiefer gespalten werden: in einen fest angestellten Teil mit einigen Rechten und prekarisierte Teile ohne Rechte. Dass sie einen Prozentpunkt Lohnerhöhung mehr ausgehandelt hat, als der UnternehmerInnenverband ursprünglich angeboten hat, nutzt wenig. So schrieb sogar Spiegel Online: “Es ging bei diesen Tarifverhandlungen gar nicht in erster Linie um einige Zehntel Prozentpunkte mehr oder weniger Gehalt. Der Lohnkostenanteil in der hochtechnisierten Metallindustrie liegt inzwischen so niedrig, dass es sich für die Arbeitgeber längst nicht mehr lohnt, deswegen einen flächendeckenden Streik zu riskieren. Lieber den Arbeitern etwas mehr zahlen, so die vorherrschende Logik, als zu riskieren, dass teure Maschinen während eines Streiks stillstehen und wichtige Aufträge verlorengehen.” Durch die immer größeren Spaltungen in den ArbeiterInnenreihen ist das Kapital für die nächsten Angriffe besser aufgestellt, sobald sich die Krise verschärft.

Dieses Ergebnis zeigt besonders deutlich, wie wenig Lohnabhängige vom aktuellen Wirtschaftsaufschwung des deutschen Imperialismus profitieren. Während die Metallkonzerne Rekordprofite verzeichnen, bekommen MetallarbeiterInnen eine Lohnerhöhung, die vom Prozentsatz her gerade einmal der Inflation der letzten Jahre entspricht – und das nur unter der Bedingung, dass die Prekarisierung voranschreiten kann. Dabei handelt es sich um den bestorganisierten Sektor der ArbeiterInnenklasse in Deutschland, und zwar in dem Bereich, in dem die Profite auch am höchsten sind. Andere Sektoren unserer Klasse bekommen nicht einmal diese Krümel. Deswegen kann nur konsequente Solidarität mit den ArbeiterInnen in anderen ländern Europas, die gerade auf Druck des deutschen Imperialismus angegriffen werden (der sich dadurch deutlich stärkt), die Rechte der ArbeiterInnen hierzulande verteidigen.

In diesem Sinne brauchen wir eine antibürokratische Bewegung an der Basis der Gewerkschaften, um die Bürokratie zu entmachten und die versöhnlerischen Apparatschiks aus unseren Gewerkschaften zu jagen. Es kann nicht sein, dass privilegierte FunktionärInnen so frank und frei unsere Zukunft verspielen. In der Metall- und Elektro-Industrie, wie auch in allen anderen Bereichen, müssen wir Initiativen der Selbstorganisation an der Basis als kämpferischen Gegenpol zum Verhandlungsfetischismus der sozialpartnerschaftlichen Gewerkschaftsapparate aufbauen.

- Für die Abschaffung von Leiharbeit! Gleicher Lohn für gleiche Arbeit!

- Für die Ìbernahme aller Ausgebildeten! Gleiche Rechte für junge ArbeiterInnen!

- Für die automatische Anpassung der Lohnsteigerungen an die Lebenshaltungskosten!

- Gegen Standortlogik und Sozialpartnerschaft! Für eine antibürokratische Strömung in den Gewerkschaften!

- Für Streiks mit demokratischen Streikversammlungen und jederzeit abwählbaren Streikkomitees!

- Für ein Programm gegen Arbeitslosigkeit durch allgemeine Arbeitszeitverkürzung!

- Für den Aufbau einer revolutionären Partei der ArbeiterInnen, die die vielen Kämpfe strategisch verbindet und den Verelendungs-Kurs der rot-grün-schwarz-orange-gelben Parteienkoalition stoppt!

Empfohlene Artikel

No hay comentarios a esta nota

Publikationen

  • PTS (Argentina)

  • Actualidad Nacional

    MTS (México)

  • LTS (Venezuela)

  • DOSSIER : Leur démocratie et la nôtre

    CCR NPA (Francia)

  • ContraCorriente Nro42 Suplemento Especial

    Clase contra Clase (Estado Español)

  • Movimento Operário

    MRT (Brasil)

  • LOR-CI (Bolivia) Bolivia Liga Obrera Revolucionaria - Cuarta Internacional Palabra Obrera Abril-Mayo Año 2014 

Ante la entrega de nuestros sindicatos al gobierno

1° de Mayo

Reagrupar y defender la independencia política de los trabajadores Abril-Mayo de 2014 Por derecha y por izquierda

La proimperialista Ley Minera del MAS en la picota

    LOR-CI (Bolivia)

  • PTR (Chile) chile Partido de Trabajadores Revolucionarios Clase contra Clase 

En las recientes elecciones presidenciales, Bachelet alcanzó el 47% de los votos, y Matthei el 25%: deberán pasar a segunda vuelta. La participación electoral fue de solo el 50%. La votación de Bachelet, representa apenas el 22% del total de votantes. 

¿Pero se podrá avanzar en las reformas (cosméticas) anunciadas en su programa? Y en caso de poder hacerlo, ¿serán tales como se esperan en “la calle”? Editorial El Gobierno, el Parlamento y la calle

    PTR (Chile)

  • RIO (Alemania) RIO (Alemania) Revolutionäre Internationalistische Organisation Klasse gegen Klasse 

Nieder mit der EU des Kapitals!

Die Europäische Union präsentiert sich als Vereinigung Europas. Doch diese imperialistische Allianz hilft dem deutschen Kapital, andere Teile Europas und der Welt zu unterwerfen. MarxistInnen kämpfen für die Vereinigten Sozialistischen Staaten von Europa! 

Widerstand im Spanischen Staat 

Am 15. Mai 2011 begannen Jugendliche im Spanischen Staat, öffentliche Plätze zu besetzen. Drei Jahre später, am 22. März 2014, demonstrierten Hunderttausende in Madrid. Was hat sich in diesen drei Jahren verändert? Editorial Nieder mit der EU des Kapitals!

    RIO (Alemania)

  • Liga de la Revolución Socialista (LRS - Costa Rica) Costa Rica LRS En Clave Revolucionaria Noviembre Año 2013 N° 25 

Los cuatro años de gobierno de Laura Chinchilla han estado marcados por la retórica “nacionalista” en relación a Nicaragua: en la primera parte de su mandato prácticamente todo su “plan de gobierno” se centró en la “defensa” de la llamada Isla Calero, para posteriormente, en la etapa final de su administración, centrar su discurso en la “defensa” del conjunto de la provincia de Guanacaste que reclama el gobierno de Daniel Ortega como propia. Solo los abundantes escándalos de corrupción, relacionados con la Autopista San José-Caldera, los casos de ministros que no pagaban impuestos, así como el robo a mansalva durante los trabajos de construcción de la Trocha Fronteriza 1856 le pusieron límite a la retórica del equipo de gobierno, que claramente apostó a rivalizar con el vecino país del norte para encubrir sus negocios al amparo del Estado. martes, 19 de noviembre de 2013 Chovinismo y militarismo en Costa Rica bajo el paraguas del conflicto fronterizo con Nicaragua

    Liga de la Revolución Socialista (LRS - Costa Rica)

  • Grupo de la FT-CI (Uruguay) Uruguay Grupo de la FT-CI Estrategia Revolucionaria 

El año que termina estuvo signado por la mayor conflictividad laboral en más de 15 años. Si bien finalmente la mayoría de los grupos en la negociación salarial parecen llegar a un acuerdo (aún falta cerrar metalúrgicos y otros menos importantes), los mismos son un buen final para el gobierno, ya que, gracias a sus maniobras (y las de la burocracia sindical) pudieron encausar la discusión dentro de los marcos del tope salarial estipulado por el Poder Ejecutivo, utilizando la movilización controlada en los marcos salariales como factor de presión ante las patronales más duras que pujaban por el “0%” de aumento. Entre la lucha de clases, la represión, y las discusiones de los de arriba Construyamos una alternativa revolucionaria para los trabajadores y la juventud

    Grupo de la FT-CI (Uruguay)